Tips für den ersten Konzertbesuch
 
 
(Anmerkung: Der folgende Text ist eine freie Übersetzung eines Textes vom San Francisco Symphony Orchestra, und obwohl es Ratschläge für ein amerikanisches Publikum sind, sollte auch das hiesige Publikum sie beherzigen.)

Die fünf verbreitetsten Mißverständnisse über Sinfoniekonzerte:

  • Jeder im Publikum trägt Smoking, Frack oder Abendkleid.
  • Man sollte nach jedem Satz klatschen, auch nach dem Anfangsstück, bei dem ein Geiger aufsteht und alle denselben Ton spielen.
  • Klassische Musik soll keinen Spaß machen – schließlich ist es ernste Musik.
  • Das Handy oder den Pieper während des Konzerts anzulassen, wird für "cool" gehalten – besonders, wenn man ein komplettes Gespräch führt.
  • Husten ist eine Klangfarbe, die die Musik bereichtert – wie ein neues Schlagzeug-Instrument.
Lassen Sie uns ein paar Dinge erläutern. Da Sie hier neu sind, wollen wir Sie in Ihrem ersten Sinfoniekonzert vor den Fettnäpfchen bewahren. Wir haben ein paar Tips für den erstmaligen Konzertbesucher zusammengestellt, damit Ihr erstes Konzert ein angenehmer Abend wird.
1. Was ist klassische Musik?
Der Begriff "klassische Musik" kann für alles vom Bach-Konzert bis zur Brahms-Rhapsodie, von der Mozart-Sinfonie bis zum Strawinsky-Ballett stehen. Normalerweise wird klassische Musik von einem Orchester gespielt, das aus Streichern (Geigen, Bratschen, Celli, Kontrabässe), Holzbläsern (Querflöten, Klarinetten, Oboen, Fagotte), Blechbläsern (Trompeten, Hörner, Posaunen, Tuba) und Schlagzeug (Trommeln, Pauken, Xylophon, Becken), oder einer Kombination daraus besteht.
2. Wird mir das Konzert Spaß machen?
Ganz sicher! Klassische Musik ist aufregend, überraschend und oft auch lustig. Wenn Sie mit uns einen Abend verbringen, werden Sie bei Beethovens "Pastorale" wunderschöne Bilder von ländlicher Idylle hören und sehen, Sie werden sich bei den "Three Places in New England" von Ives das Kichern nicht verkneifen können, und Sie werden von Strauss' "Also sprach Zarathustra" schwer beeindruckt sein.
3. Werde ich irgendwelche Musik wiedererkennen?
Erstaunlicherweise werden Sie mehr Musik wiedererkennen, als Sie glauben. Im normalen Medienalltag begegnen uns ständig klassische Themen und Melodien. Einige Beispiele:

In der Werbung: Die Krombacher-Werbung benutzt die "Rhapsody in Blue" von Gershwin, während Wahrsteiner die berühmte Einleitung zu Strauss' "Zarathustra" (miß)braucht; und die Melodie des Berentzen-Liedes stammt aus Schuberts "Unvollendeter", der 8. Sinfonie.

In der Popmusik: Im Lied "I believe in Love" von Elton John wird ein Thema aus dem 1. Violinkonzert von Bruch verwendet; Celine Dion hat in ihren Hit "All by Myself" das Hauptthema aus dem 2. Klavierkonzert von Rachmaninov eingebaut.

In der Filmmusik: Der Helikopter-Angriff im Film "Apocalypse Now" wird von Wagners "Walkürenritt" begleitet, und der Oscar-Preisträger James Horner hat für seine Musik zum Film "Willow" fast wörtlich das Anfangsthema von Schumanns 3. Sinfonie übernomen.

4. Was sollte man bei einem Sinfoniekonzert tragen?
Sie können in bequemer Kleidung kommen, solange es nicht zu sehr nach Freizeit aussieht. Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung ist formale Abendkleidung – wie Smoking oder Abendkleid – bei Sinfoniekonzerten nicht erforderlich.
5. Wann soll man klatschen?
Es ist üblich, nur am Ende eines ganzen Werkes zu klatschen, und wenn der Dirigent seine Hände gesenkt hat. Wenn man also zum Beispiel die erste Sinfonie von Brahms, die vier Sätze hat, hört, wird nach dem letzten Satz applaudiert. Im Programmheft können Sie nachlesen, wie viele Sätze das Werk hat. Normalerweise werden etwa 10 bis 20 Sekunden Pause zwischen den Sätzen gelassen, in der Brahms-Sinfonie wissen Sie also, daß Sie nach drei Pausen den letzten Satz hören. Und wenn alle Stricke reißen, können Sie immer warten, bis der Rest des Publikums applaudiert, bevor Sie selbst mit dem Klatschen beginnen.
6. Was ist mit sonstigen Geräuschen – Husten, Handys usw.?
Am besten schaltet man Handys und ähnliches aus, bevor man den Konzertsaal betritt. Das Klingeln ist für den Dirigenten, die Musiker und das übrige Publikum sehr störend.

Husten ist ein häufiges Problem, das sich aber fast immer umgehen läßt. Wenn Sie eine Erkältung oder einen gereizten Hals haben, sind Hustenbonbons sehr hilfreich. Allerdings sollte man sie rechtzeitig auspacken, das Knistern des Papiers während des Konzerts macht mehr Lärm, als man denkt. Ansonsten sollte man mit dem Husten bis zum Ende des Satzes oder zumindest bis zu einer lauten Stelle in der Musik warten. Und in jedem Fall kann ein Taschentuch oder ähnliches das Geräusch deutlich dämpfen. Wenn der Hustenreiz sehr stark ist, können Sie auch den Saal bis zum Ende des Satzes verlassen. Aus Rücksicht vor Ihren Nachbarn sollten Sie diese Ratschläge beherzigen, damit alle einen schönen Abend erleben.

7. Kann ich meine Kinder mitbringen?
Es ist nicht empfehlenswert, Kinder unter sieben Jahren in normale Sinfoniekonzerte mitzunehmen, da diese meist zu lang für Kinder sind. Unsere Kinder- und Open-Air-Konzerte sind dagegen bestens für die ganze Familie geeignet.
     
   
      
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