Grußwort von den Gründern des JSO
zum dreißigjährigen Jubiläum 1991

 
Wenn es ein Jubiläum zu feiern gilt, so ist das erste, was den "Betroffenen" dazu einfällt: Kaum zu glauben, so lange ist das schon her? Das JSO wird 30 Jahre alt - und 30 Jahre jünger waren wir, als wir das Orchester gründeten. Da wandern die Gedanken zurück, und wir erinnern uns noch lebhaft an das Gespräch mit dem leider gerade verstorbenen hannoverschen Kulturdezernenten Heinz Lauenroth, in dem wir der Stadt vorschlugen, ein Jugendsinfonieorchester ins Leben zu rufen. Das war einerseits leicht, denn wir konnten das bereits vorhandene Jugendorchester, ein Streicherensemble, das durch seine Mitwirkung zu festlichen Anlässen bei Stadt und Land gut bekannt war, als Kerntruppe anbieten. Andererseits war es in den frühen 60er Jahren noch nicht üblich, daß Jugendliche sich in Orchestern sammelten, um "große" Musikliteratur zu spielen; es gab damals den weit verbreiteten Zweifel, ob solche Musik jungen Spielern überhaupt gemäß und verständlich sei - ganz abgesehen vom instrumental-technischen Vermögen. Um diesem Vorurteil zu begegnen, war ein gewisser Wagemut nötig. Sollte das Orchester wirklich "sinfonisch" besetzt sein, bis zum schweren Blech hin?

Ich erlaubte mir im Gespräch den Scherz, daß wir nicht gleich mit einer Bruckner-Sinfonie zu beginnen gedächten. Heute steht Bruckners Dritte auf dem Programm, und alle unsere ehrgeizigen Wünsche und Vorsätze haben sich aufs Schönste erfüllt. Die Erfahrung, daß die Begeisterung und Frische, mit der junge Musiker bedeutender Musik (meistens zum ersten Mal) begegnen, vieles kompensiert und zu Leistungen führt, die dem routinierten Bescheidwissen des erfahrenen Musikers - eine Routine, der man im Laufe eines langen Musikerlebens schwer entgeht - auch einmal überlegen ist, diese Erfahrung wird inzwischen auch von berühmten Dirigenten geteilt und bestätigt.

Wir haben damals bedauert, diese Arbeit aus der Hand geben zu müssen - neue Aufgaben waren an uns herangetreten, auf die wir uns zu konzentrieren hatten - aber wir hatten das Glück, in Anton Plate, den beiden Stahmers und Martin Brauß tüchtige Nachfolger zu finden, die mit Phantasie und Initiative das Orchester zu vorzüglichen, weit über die Region hinaus strahlenden Leistungen führten. Doch soll bei einem Rückblick in die Anfänge auch Erwin Wolfs Name nicht fehlen, der so viel für die Entstehung und Erziehung der Bläsergruppen beigetragen hat.

Ein dreißigster Geburtstag signalisiert im Menschenleben den Beginn der Jahre, in denen sich jugendliche Begeisterung mit Reife und Überblick harmonisch mischen. Wir wünschen dem JSO zu seinem Jubiläum ein glanzvolles Gelingen und eine weitere glückliche und fruchtbare Entwicklung.
 

Barbara Koerppen, Heinz Hennig
      
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