Wenn es ein Jubiläum
zu feiern gilt, so ist das erste, was den "Betroffenen" dazu einfällt:
Kaum zu glauben, so lange ist das schon her? Das JSO wird 30 Jahre alt
- und 30 Jahre jünger waren wir, als wir das Orchester gründeten.
Da wandern die Gedanken zurück, und wir erinnern uns noch lebhaft
an das Gespräch mit dem leider gerade verstorbenen hannoverschen Kulturdezernenten
Heinz Lauenroth, in dem wir
der Stadt vorschlugen, ein Jugendsinfonieorchester ins Leben zu rufen.
Das war einerseits leicht, denn wir konnten das bereits vorhandene Jugendorchester,
ein Streicherensemble, das durch seine Mitwirkung zu festlichen Anlässen
bei Stadt und Land gut bekannt war, als Kerntruppe anbieten. Andererseits
war es in den frühen 60er Jahren noch nicht üblich, daß
Jugendliche sich in Orchestern sammelten, um "große" Musikliteratur
zu spielen; es gab damals den weit verbreiteten Zweifel, ob solche Musik
jungen Spielern überhaupt gemäß und verständlich sei
- ganz abgesehen vom instrumental-technischen Vermögen. Um diesem
Vorurteil zu begegnen, war ein gewisser Wagemut nötig. Sollte das
Orchester wirklich "sinfonisch" besetzt sein, bis zum schweren Blech hin?
Ich erlaubte mir im Gespräch den Scherz, daß wir nicht gleich mit einer Bruckner-Sinfonie zu beginnen gedächten. Heute steht Bruckners Dritte auf dem Programm, und alle unsere ehrgeizigen Wünsche und Vorsätze haben sich aufs Schönste erfüllt. Die Erfahrung, daß die Begeisterung und Frische, mit der junge Musiker bedeutender Musik (meistens zum ersten Mal) begegnen, vieles kompensiert und zu Leistungen führt, die dem routinierten Bescheidwissen des erfahrenen Musikers - eine Routine, der man im Laufe eines langen Musikerlebens schwer entgeht - auch einmal überlegen ist, diese Erfahrung wird inzwischen auch von berühmten Dirigenten geteilt und bestätigt.
Ein dreißigster Geburtstag
signalisiert im Menschenleben den Beginn der Jahre, in denen sich jugendliche
Begeisterung mit Reife und Überblick harmonisch mischen. Wir wünschen
dem JSO zu seinem Jubiläum ein glanzvolles Gelingen und eine weitere
glückliche und fruchtbare Entwicklung.
Barbara
Koerppen, Heinz Hennig
|