
| Zum 40. Geburtstag des JSO
hat sich viel im Orchester ereignet: Am 8. und 9. Juni 2001 fanden die Jubiläumskonzerte
mit anschließender Feier statt, einen Bericht finden Sie in den Pressestimmen;
die CD-Einspielung des Jubiläumsprogramms ist hier auf der CD-Seite erhältlich. Ebenfalls zum Jubiläum hat diese Website
eine "Grundrenovierung" erfahren. Und schließlich hat das Orchester
beschlossen, sich einen neuen Namen zu geben:
Das "Jugendsinfonieorchester" wird ein "Junges Sinfonieorchester" Genaugenommen handelt es sich um eine Kleinigkeit: ein "d" fällt heraus, ein "s" kommt hinzu, ein paar Buchstaben (es bleiben sechs) tauschen ihre angestammten Plätze ... Ein Name, der vierzig Jahre lang "paßte", soll nun auf einmal verschwinden? Was sich bewährt hat, sollte bleiben, möchte man einwenden ... Wir möchten meinen: "Jugend" - das war als Gruppe immer Objekt erzieherischer und damit politischer Maßnahmen: sie "sollte" immer etwas: Singen, Lernen, Wandern, Marschieren oder Kämpfen; oder sie "sollte gerade nicht": nicht Aufbegehren, nicht Aussteigen, nicht Auffallen, nicht Kämpfen; zu diesem Zwecke wurde sie beschützt, gefährdet, gefördert, bearbeitet, informiert, desillusioniert etc. So oder so: sie wurde und wird funktionalisiert; kurzum: "Jugend" - ein Wort, mit dem sich die Mitglieder unseres Orchesters nur noch mühsam identifizieren möchten. Hinzu kommt, daß unser Altersdurchschnitt deutlich über dem liegt, was der common sense noch als "Jugend" gelten ließe: ist man mit 25 ein "Jugendlicher"? Nein. Aber allemal ist man "jung" - bekanntermaßen ist das Prädikat "jung" unabhängig von gezählten Jahren und somit für die Mitglieder dieses Orchesters absolut zutreffend: von 13 bis 30 ist alles vorhanden, und dieser Tatsache wir nun auch Rechnung getragen ... Doch bringt der neue Name noch mehr zum Ausdruck - es ist nicht zu übersehen, daß dieses Orchester seit etwa drei Jahren, also seit dem endgültigen Weggang der langjährigen Dirigenten Anton Plate und Martin Brauß, vielerlei Änderungen (durchaus verbunden mit einigen Schwierigkeiten und Querelen) erfahren mußte oder erfahren wollte! Diese Abbruch- und Umbruchsituation hatte unter anderem zur Folge, daß das Orchester lernen mußte, komplett auf eigenen Füßen zu stehen: Einerseits sich einzulassen auf die immense und für Laien kaum vorstellbare organisatorische Arbeit, andererseits sich zu besinnen auf Ziele und Idee dieses speziellen Ensembles, sein Selbstverständnis als Orchester, was unmittelbare Auswirkungen auf die Gestaltung einer Orchestersatzung, auf die Wahl der Dirigenten, auf Programmplanung und Stückauswahl, kurzum auf die gesamte nun selbst geregelte Arbeit des Orchesters haben würde. Mit etwas Stolz können wir nun, im Jahr 2001, behaupten, daß der Umbruch gelungen ist, daß sich das Orchester neu konsolidieren konnte und wieder "laufen" lernte ... Viel Neues also. Was bleibt? Es bleibt der gemeinsame Wille, die Spanne zwischen Repertoirestücken einerseits und zu Unrecht unbekannten Werken andererseits in unseren Programmen zu überwinden - hier gilt es, eine gute und bewahrenswerte Tradition des Orchesters fortzuführen. Es bleibt auch die Erkenntnis, daß uns in diesem Orchester die Musik über Probe und Konzert hinaus eine gemeinsame Auseinandersetzung wert ist, damit sie in all ihrer Bandbreite möglich werden kann. In der Namensuche dokumentiert sich also die Suche eines Weges zwischen Neubeginn und Tradition; die Mitglieder des Orchesters haben sich den neuen Namen selbst gegeben. Alternativvorschläge, etwa "Junge Philharmonie Hannover" oder die Schreibweise "-symphonie-" wurden diskutiert und verworfen. Die vielleicht natürlichste, einfachste Lösung (sogar das praktische Kürzel "JSO" bleibt erhalten) ist sicherlich die beste - Junges Sinfonieorchester Hannover. Der Name steht ab heute für die Verwirklichung der alten Ideen mit neuer, "junger" Kraft. Er ist unaufwendig, uneitel und hierin einfach bestechend gut ... Tobias Rokahr,
Dirigent, Mai 2001
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