Reisen


Bisherige Reiseziele:
Berlin (Philharmonie): 1999
Belgien: 2007

England: 1977, 1985
Frankreich: 1975, 1976, 1979, 1995, 2000
Griechenland: 1996, 2002
Italien
Kenia: 1991, 1993
Mexiko: 1990
Österreich
Schweden 1981
Spanien: 1998
Türkei: 1993
USA: März 1980 (Ostküste)

Reiseberichte:

Belgien, 2007
Berlin (Philharmonie), 1999
Mexiko, 1990
Frankreich 1975: Siehe Pressestimmen


 

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Belgien-Reise  24.3. - 1.4.2007

Vorbereitung: Am 23. März trifft sich eine Auswahl freiwilliger Orchester- mitglieder, um drei sehr große, längst verstaubte und eigentlich vergessene Kontrabasskisten vom Dachboden des Kaiser-Wilhelm- Ratsgymnasiums (dem wöchentlichen Probenort des JSO Hannover) herunterzuholen und diese zu putzen. Währenddessen wird der Transporter (5-Tonner-LKW) von der Autovermietung abgeholt und mit diversen Instrumenten, die an unterschiedlichsten Adressen in Hannover eingeladen werden, gefüllt.

Samstag: Das JSO Hannover trifft sich um 9:30 Uhr am ZOB Hannover, wo bereits der Bus der Firma Rottmann-Reisen wartet und fährt um 10:15 Uhr in Richtung Antwerpen ab. Aufgrund der Weisung des Navigationsgerätes darf das JSO bereits vor Ankunft eine Tour durch die kleinen Gassen der Altstadt Antwerpens wahrnehmen. Wegen dieser Sonderfahrt gelingt es dem eigentlich langsamer fahrenden Transporter eher am Hotel Scheldezicht anzukommen. Im Hotel werden wir freundlich vom dortigen Personal und unserer belgischen Organisatorin vor Ort empfangen. Nach kurzer Pause treffen wir uns um 18:15 Uhr vor dem Hotel und werden von Annelies Mermans zu einem direkt am Grote Plats liegenden Restaurant geführt, wo wir ein fantastisches Drei-Gänge-Menü serviert bekommen und ersten Kontakt mit dem reichhaltigen Angebot belgischen Bieres machen dürfen.

Sonntag: Nach einem leckeren und reichhaltigen Frühstück, das wir in Zukunft jeden Tag genießen dürfen, geht es um 10:00 Uhr mit dem Bus der belgischen Firma Metropole nach Brügge. In der malerischen Stadt gelingt es uns bei schönstem Frühlingswetter einen Stadtführer aufzutreiben, der sich als Geheimtipp erweist: Statt der vereinbarten zwei Stunden führt er das Orchester gute drei Stunden durch die Altstadt mit seinen verschiedenen Kirchen und vermittelt uns auf unverwechselbare Weise historische und sagenhafte Ereignisse der Stadt Brügge und des Landes Belgien. Des Weiteren gibt es Gelegenheit die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Einige steigen auf den Belfried am Marktplatz und genießen eine großartige Sicht über die Stadt und das Umland. Andere hingegen erkunden die Stadt zu Wasser bei einer touristisch angelegten Bootsfahrt durch die Grachten Brügges. Am frühen Abend treffen wir uns zu einem weiteren sehr guten Abendessen im Restaurant Panier D’Or direkt am Marktplatz. Im Anschluss daran bleibt Zeit für Kneipenbesuche und Abendspaziergänge, bei denen schöne Fotos entstehen. Gegen 23 Uhr kommen wir wieder in Antwerpen an.

Montag: Der Vormittag steht dem Orchester zur freien Verfügung. Erst ab Mittag geht es für die Holzbläser zum Aufbau und zur Stimmprobe in den Zaal Harmonie, der circa drei Kilometer vom Hotel entfernt liegt. Dort treffen sie auf Bart van Reyn, den Leiter des Octopus Kammerkoor, mit dem wir, zusammen mit dem Jungen Vokalensemble Hannover, ’Ein deutsches Requiem’ von Johannes Brahms aufführen werden. Ab 15 Uhr beginnt die Tutti-Probe des Orchesters unter der Leitung von Bart von Reyn. Nach einem schnell eingenommenen, aber sehr leckeren Abendessen im Restaurant Colmar geht es zurück zum Probensaal, wo um 20 Uhr die erste gemeinsame Probe mit den Chören und Orchester beginnt. Nach Probenende geht es für viele Orchestermitglieder in die unterschiedlichen gemütlichen Kneipen Antwerpens.

Dienstag: Leider ist es uns nicht möglich, eine Stadtführung in Antwerpen zu bekommen, so dass wir alternativ einen gemeinsamen Besuch im Instrumentenmuseum anstreben. Der Großteil des Orchesters trifft sich um 10:30 Uhr und verbringt eine längere Zeit in dem sehr informativen und ansprechend gestalteten Museum. Am Nachmittag erkundet das Orchester in Kleingruppen die Stadt und genießt das gute Wetter. Besonders sehenswert sind der Centraal Bahnhof, das Diamantenmuseum und – viertel, das Rubens-Museum, die Kathedrale, Schokoladenläden, der Hafen am Fluss Schelde sowie die Frituur No. 1 und der Geneverladen. Erst am Abend ab 20 Uhr beginnt die Brahms-Probe unter Leitung von Klaus-Jürgen Etzold, dem Leiter des Jungen Vokalensemble Hannover. Auch an diesem Abend werden die Kneipen gut frequentiert, auch wenn es teilweise unter der Woche schwierig scheint, bedient zu werden.

Mittwoch: Der Vormittag ist frei. Mittags um 12:30 Uhr treffen wir uns zum Gang zur St. Lievens-School, wo wir ab 13 Uhr eine Durchlauf- und Übersetzungsprobe in der Schulaula für unsere morgigen  Kinderkonzerte haben. Annelies Mermans erweist sich als Glücksgriff bei der Übersetzung unseres komplexen und durchmoderierten Kinderkonzertprogramms. Die Nähe der flämischen Sprache zum Deutschen bereitet dem Orchester häufig großes Vergnügen (rote Tücher der Toreros = rote Lappen; Schüler = Lehrlinge, etc.). Etwas hektisch ist der Aufbruch gen Mol, der Transporter muss erneut beladen werden und man möchte pünktlich zur Anspielprobe des Brahms-Requiems in der Kirche in Mol ankommen. Bei schönstem Sonnenschein erreichen wir den Kirchenvorplatz und richten uns in der Kirche in etwas beengten Verhältnissen ein. Konzertbeginn ist um 20 Uhr. Die gut besuchte Kirche bietet eine gute Akustik und das erste gemeinsame Konzert unter der Leitung von Klaus-Jürgen Etzold mit circa 130 Chorsängern und 60 Orchestermusikern ist ein voller Erfolg.

Donnerstag: Dieser Tag, als einziger leicht verregnet und bewölkt, steht ganz im Zeichen des Kinderkonzerts. Am Morgen 7:30 Uhr geht es los in Richtung St. Lievens-School, wo wir ab 8 Uhr eine Aufbau- und Durchlaufprobe haben. Ab 10 Uhr werden circa 80 bis 100 Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 12 Jahren in die Schulaula gelassen und auf die musikalische Reise durch Europa mitgenommen. Im Anschluss an das Konzert dürfen die Kinder noch die verschiedenen Orchesterinstrumente ausprobieren. Die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit mit dem sehr netten und kompetenten Schulleiter muss hier ausdrücklich erwähnt werden. Am späten Nachmittag geht es dann in den größten Konzertsaal Antwerpens ’DeSingel’ (angeschlossen ans Musikkonservatorium), in dem wir um 19:30 Uhr das Kinderkonzert ein weiteres Mal aufführen. Auch hier sei die gute Zusammenarbeit mit dem Organisator der Familienorganisation, für die dieses Konzert gespielt wird, erwähnt sowie auch die hilfsbereiten Männer der Technik. Zu fortgeschrittener Stunde in dieser Nacht bildet sich ein harter Kern der Blechbläser samt Fanclub zu einer musikalischen Session. Gemeinsam begeben sie sich unter die Schelde in den St. Anna-Tunnel, in den man direkt vor unserem Hotel mit einem Fahrstuhl gelangt. Unten angekommen erklingen Choräle, die Dank der übernatürlichen Akustik fantastisch klingen.

Zum Ablauf des Kinderkonzerts: Das Konzert soll Kinder im Grundschulalter durch verschiedene musikalische Stationen Europas führen. In einem Zug, dessen Fahrt musikalisch durch ein Blechbläserstück (Jim Parker: Grand Central) dargestellt wird, reist das Orchester gemeinsam mit den Kindern nach Deutschland (C. Orff: Tanz aus Carmina Burana: Uf dem Anger), Spanien (P. Tschaikowsky: Spanischer Tanz/Le Chocolat aus der Nussknacker-Schauspielmusik), Frankreich (Ausschnitt aus M. Ravels Ma Mère l’Oye: Gespräch zwischen dem Schönen und dem Tier), Russland (P. Tschaikowsky: Danse Russe Trepak aus der Nussknacker-Suite), Großbritannien (R. Vaughan Williams: Fantasie über „Greensleeves“) und zurück nach Belgien. Mit Hilfe von Moderationen, Bildern, Requisiten und Mitmach-Tänzen werden die Kinder anschaulich an die Werke sowie an Aspekte der Instrumentenkunde herangeführt und zum Mitmachen aufgefordert.

Freitag: Heute geht es ab 10 Uhr mit dem Bus in die Hauptstadt Brüssel. Das Wetter wird wieder besser, es ist trocken und hell. In mehreren Gruppen erkunden wir die Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten. Hervorzuheben sind hierbei: Der Marktplatz mit seinen vielen Zunfthäusern, das Atomium, Manneken Piss, Comic-Fassaden, das riesige Instrumentenmuseum, das Europäische Parlament, der Palast und vieles mehr. Sehr zu empfehlen sind die belgischen Waffeln, ob pur, mit Schokoladensoße, Früchten, Sahne oder allem auf einmal sei jedem selbst überlassen. Der Tag vergeht wie im Flug und am Abend sind wir um 20:30 Uhr zurück in Antwerpen, so dass wieder genug Zeit für ausgiebige Kneipen- und Clubbesuche bleibt.

Samstag: Um 11:30 Uhr werden wir in den westlich von Antwerpen gelegenen Kasteel-Rivieren-Hof, einem Anwesen in einem großen Park samt See, gefahren, wo wir gemeinsam mit dem Jungen Vokalensemble und dem Octopus Kammerkoor ein leckeres Drei-Gänge-Menü zu uns nehmen. Bei schönstem Sonnenschein geht es zurück zum Hotel, da wir uns auf das  abendliche Konzert in DeSingel vorbereiten müssen. Ab 17 Uhr ist Aufbau und Anspielprobe in Konzertsaal. Um 20 Uhr beginnt unser letztes Konzert des Brahms-Requiems unter der Leitung von Bart von Reyn vor ausverkauftem Haus. Das Konzert ist ein voller Erfolg. Die Nachfeier findet kurz in der Mensa des Konservatoriums statt, bevor sie in die Innenstadt zum Italiener verlagert wird. Dort wird ausgiebig gegessen, getrunken und gefeiert, der Chor gibt mehrere Ständchen und nach Verlassen dieses Restaurants endet der Abend noch lange nicht.

Sonntag: Um 9:15 Uhr verlässt der Bus der Firma Rottmann-Reisen Antwerpen, an Bord ein müdes aber durchaus glückliches Orchester. Nur eine halbe Stunde später setzt sich auch der Instrumenten-LKW in Bewegung. Nach einer problemlosen Rückfahrt erreicht der Orchesterbus Hannover gegen 15:30 Uhr.

Wir danken herzlich Bart van Reyn und dem Octopus Kammerkoor für die Einladung, Klaus-Jürgen Etzold und dem Jungen Vokalensemble für die gute Zusammenarbeit und Annelies Mermans für die Organisation vor Ort. Besonderer Dank gilt dem Goetheinstitut für die großzügige finanzielle Unterstützung.

Hannover, den 24. April 2007
Friederike Lorenz
Katherina Miller





Berlin-Reise  12. - 15. März 1999

Anlaß der Reise war die weltweit größte Akustiker-Tagung in Berlin, an der über 2000 Akustik-Wissenschaftler der Acoustical Society of America (ASA), der European Acoustics Association (EAA) und der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) beteiligt waren. Zur Eröffnungsfeier (Programm siehe hier) am 15. März in der Berliner Philharmonie wurde ein Orchester benötigt; aus terminlichen Gründen waren die Berliner Philharmoniker jedoch nicht verfügbar. Daraufhin erinnerte sich Prof. em. Dr. Jürgen Meyer aus Braunschweig, der Präsident der DEGA ist und einen der Eröffnungsvorträge hielt, an eine frühere Zusammenarbeit mit dem JSO und engagierte uns. Als Eröffnungsstück wurde Schumanns "Konzertstück für vier Hörner und Orchester" vereinbart, das wir kurz zuvor in unseren Frühjahrskonzerten aufgeführt hatten. Für den eigentlichen Vortrag wählte Prof. Meyer mehrere Ausschnitte aus dem 4. Satz von Brahms' vierter Sinfonie aus, mit denen er bestimmte akustische Eigenschaften der ausgeklügelt konstruierten Philharmonie demonstrierte. Beispielsweise ließen die abrupten Generalpausen zu Beginn des Satzes Charakter und Dauer des Nachhalls erkennen, pianissimo-Stellen erlaubten die Beurteilung etwaiger Störgeräusche (Klimaanlage). Eine Fortissimo-Stelle gegen Ende des Satzes wurde mehrmals mit unterschiedlich lauter Beteiligung der einzelnen Instrumentengruppen gespielt, um auf die Bedeutung ausgewogener Klanggestaltung hinzuweisen, während die Bariolagen in den Violinen ab Takt 69 einen von Brahms gewollten fluktuierenden Stereoklang erzeugen, der in der Philharmonie gut zu lokalisieren ist.

Es wurde beschlossen, die Gage des Orchesters für eine ausführlichere Reise mit diversen Veranstaltungen zu verwenden. Deshalb starteten wir schon am Freitag, dem 12. März, mit zwei Bussen vom KWR in Hannover. An die Fahrt erinnere ich mich eigentlich nur, weil wir unterwegs im Radio die traurige Nachricht von Yehudi Menuhins Tod hörten. Abends erreichten wir dann unser Jugendhotel in der Nähe des Bahnhofs Zoo, das zwar recht spartanisch ausgestattet war und keine hohe Sicherheit für unsere Instrumente bot;  unserer guten Laune und dem Zusammenhalt des Orchesters tat das aber keinen Abbruch. Am selben Abend folgte dann noch ein Restaurantbesuch auf Orchesterkosten.

Am Samstag nahmen wir in mehreren Gruppen an einer Stadtführung rund um den Potsdamer Platz teil und erfuhren viel Interessantes über Zukunft und Geschichte von Europas zweitgrößter Baustelle (nach der Expo). Der Nachmittag und der größte Teil des Sonntags standen für individuellen Stadtbummel, Shopping und - tatsächlich! - Üben zur Verfügung. Am Sonntag Abend gingen wir dann auf Orchesterkosten in  verschiedene Veranstaltungen wie Kabarett und Theater. Ich selbst besuchte "Die Meistersinger" in der Staatsoper unter den Linden, geleitet von Barenboim.

Am frühen Montag Morgen verließen wir dann mit Sack und Bogen das Hotel und machten uns auf zur Philharmonie, wo kurz darauf die ersten Proben begannen. Schon die ersten Takte waren ziemlich aufregend, da die Philharmonie doch einen ganz anderen Raumeindruck und eine exklusivere Atmosphäre vermittelt als unsere bisherigen Konzertsäle. Um 10 Uhr begann dann unser großer Auftritt. Unter der Leitung von Walter Hilgers spielten wir zunächst den Schumann, der glücklicherweise makellos über die Bühne ging, obwohl eine der Solistinnen leider krankheitsbedingt kurz zuvor ausgefallen und durch einen Kollegen "vom Hause" ersetzt worden war. Es folgten einige etwas langwierige Grußworte, die für uns wenigstens durch die tapfer auf Englisch radebrechenden deutschen Professoren einen gewissen Unterhaltungswert hatten.

Der erste Vortragsteil war aber auch für uns Laien interessant, da er sich mit der akustikorientierten Konstruktion der Philharmonie beschäftigte. Durch die ringförmige Anordnung der Publikumsränge um die Bühne ist sie der einzige Konzertsaal der 2000-Plätze-Klasse, dessen Publikum höchstens 50 Meter von der Bühne entfernt ist. Bei den weiter entfernten Plätzen reicht die Polsterung nur bis zur Schulterhöhe, damit die akustische Ortung verbessert wird. Über der Bühne ist eine Anzahl höhenverstellbarer trapezförmiger Platten aufgehängt, die auf Wunsch den Orchesterklang durch zusätzliche Reflexionen verstärken können; Karajan ließ sie aber stets ganz zurückfahren.

Dann folgte unser zweiter Auftritt. Prof. Meyer hatte sich entschlossen, die Musikbeispiele zu seinem Vortrag selbst zu dirigieren, was mangels ausführlicherer Proben mit ihm etwas besser hätte funktionieren können. Doch u.a. dank Stefans souveräner Führung konnten wir auch den Gesamtdurchlauf des vierten Brahms-Satzes, der den Abschluß des Vortrags bildete, auf demselben überzeugenden Niveau spielen, das wir für die Frühjahrskonzerte erarbeitet hatten.
 

Roland Jacques.

 

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Mexiko-Reise  18.10. - 5.11.1990

Tacos, cafe con leche - wir sitzen im Flughafen von Mexico City und warten auf die Ankunft des JSO. Mein Vater und ich gucken uns etwas ratlos an, denn trotz einer eineinhalbjährigen Vorbereitung von Deutschland aus und einer einwächigen Tour, um die Konzerte, Unterkünfte, Malzeiten etc. zu bestätigen, ist noch vieles im unklaren. Wir haben keine Bässe (die vor einem halben Jahr versprochenen sollen plötzlich 10.000,- DM Miete kosten), der Chor, mit dem wir in einer Woche die Krönungsmesse aufführen wollen, hat noch nicht angefangen zu proben, in Puebla, unserer ersten Anlaufstelle, hängt noch kein Plakat - in drei Tagen ist das Konzert. Außerdem ist unser Auto "blockiert". Die Fahrzeuge mit der Nummernschild- Endziffer "2" dürfen Donnerstags nicht fahren.

Nach unserem ersten Konzert in Puebla wissen jedoch alle, daß die Tournee zwar nicht reibungslos, aber doch sehr gut laufen wird. Probleme, die sich ergeben, werden eben auf mexikanische Art gelöst. So führten fehlende Sthle für das Orchester zu einer "standhaften" und sehr dynamischen Mozart-Interpretation. In Mexiko wird eine Situation sehr schnell und unkompliziert den gegebenen Umständen angepaßt - als Europäer staunt man oft über das entstehende Ergebnis. Unsere Fahrt nach San Miguel de Allende führt uns über Cacaxtla, Teotihuacan und Tula. Für fast alle ist dies der erste Kontakt zur mexikanischen Kultur. Ob Azteken, Totonaken oder Mixteken ist in diesem Augenblick nicht entscheidend. Überdimensionale Pyramiden, Staunen über Gebräuche und Sitten der alten Stämme Mexikos, und die Unsicherheit gegenüber dne Souvenier-anbietenden Mexikanern bestimmen die Eindrücke.

San Miguel de Allende ist wohl der Höhepunkt unserer Reise. Ob es die Ausstellung ist, die zu unseren Ehren eröffnet wird, die Charreada (Reiterspiel), zu der wir eingeladen wurden, unser Open-Air-Konzert - auf einem Basketball-Feld mit Fernsehübertragung und anschließender "noche mexicana", die Einladung, auf einer nahegelegenen Hacienda einen schönen Tag zu verbringen, oder unser Freund Gustavo Perez, der jeden von uns mehr als nur einmal mit kleinen Gastgeschenken überrascht. Alle sind überwältigt und oft etwas bedrückend gerührt.

Die Ungewißheit des Neuen läßt den Blick jedoch nach vorn gerichtet. In Queretaro gibt es wieder einen großen und herzlichen Empfang mit der anschließenden Verteilung auf Gastfamilien. Durch den Kontakt zu diesen ausschließlich mexikanischen Familien war es möglich, das "echte" Mexiko zu erleben. Oft genug stoßen Mentalität, soziale Strukturen und grundsätzlich unterschiedlich angelegte Lebensformen aufeinander. An dieser Stelle noch einmal der Dank an die, die sich eher wunderten statt sich zu ärgern.

Puebla - Mexico City - San Miguel de Allende - Queretaro - Tuxpan. Nach 1500 km Busfahrt, neun Konzerten in zehn Tagen vor insgesamt 10.000 Zuhörern, unglaublich vielen Eindrücken, die wir immer noch verarbeiten - an denen wir immer noch zehren, beenden wir unsere Tournee mit einigen Tagen im Landschulheim der "Deutschen Schule Mexiko" in Tuxpan. Viel Ruhe, ein paar unvergeßliche Ausflüge, Schwimmen, Fußball spielen (beide Dirigenten im Tor) und einige nächtliche Spezialeinlagen (Trompeten...) runden das Erlebnis Mexiko ab und machen wieder einmal deutlich, daß das JSO nicht nur zusammen sitzt, um gute Musik zu machen.

Diese Tour war eine nicht zu wiederholende Kombination aus Musik, Menschlichkeit, fremder Kultur und der neuerlichen Bestätigung, daß es kein zweites Orchester wie das JSO gibt!
 

Alexander Käberich.

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